Bayerisches Landesamt für Umwelt: Stockheimer Steinkohle ist Gestein des Jahres 2018

31.07.2018

Fünfzig Jahre nach Schließung der Katharinenzeche in Stockheim dürfen sich Knappenverein, Bergmannskapelle, Förderverein Bergbaugeschichte und Gemeinde Stockheim über eine besondere Auszeichnung freuen: Bayerns Repräsentant für das Gestein des Jahres 2018 ist das Steinkohle-Geotop. Dies gab der Chef-Geologe am Landesamt für Umwelt, Dr. Roland Eichhorn, anlässlich der Prämierung im Beisein der Repräsentanten von Geopark Schieferland und Naturpark Frankenwald auf dem Stockheimer Bergbauareal bekannt. 

Seine Argumentation: „Stockheim hat  Außergewöhnliches zu bieten. Denn es ist der einzige Ort in ganz Bayern, in dem das „Schwarze Gold“, die Steinkohle, für Besucher sichtbar freigelegt wurde. Die Gemeinde Stockheim habe gemeinsam mit dem Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus durch umfangreiche Geotoppflege-Maßnahmen die Bergbaugeschichte der Region lebendig gemacht. Auf dem Gelände der ehemaligen Katharinenzeche sei die Steinkohle aufwändig frei gegraben und als Ausflugsziel und Lernort mit Sitzstufen und Überdachung gestaltet. In Zusammenarbeit mit dem Geopark Schieferland sei außerdem der „Bergbau-Erlebnispfad Dachsbau“ - ein Wanderweg durch das Bergbaurevier mit Infos zur Geologie und Bergbaugeschichte, entstanden. „Dieses ehrenamtliche Engagement wird mit der Prämierung besonders gewürdigt“, betonte Eichhorn. Weiter sagte er, dass sich im Großraum Stockheim die wichtigsten Steinkohle-Bergwerke Bayerns befanden. So sei von 1756  bis 1968 hier Kohle gefördert worden. Danach war Schicht im Schacht! So sei dieses Jahr die Wahl auf die Stockheimer Steinkohle gefallen. „Wir stehen hier an der einzigen Stelle in ganz  Bayern, an der Steinkohle in natura betrachtet werden kann.

Interessantes wusste Dr. Eichhorn von der Entstehung zu berichten. So bestehe die Kohle hauptsächlich aus abgestorbenen Pflanzen. Im Zeitalter des Karbon vor rund 305 Millionen Jahren war es damals sehr warm und feucht – vergleichbar mit dem Klima in einem Gewächshaus. Urwälder in üppiger Vegetation entstanden. Starben die Pflanzen ab oder knickten die Baumriesen um, so versanken sie in die weit verbreiteten Sümpfe. Unter Wasser konnten sie nicht gut verfaulen, da der Sauerstoff fehlte. Es entstand zunächst Torf. Damit aus Torf Kohle wird, braucht es hohe Drücke und Temperaturen. In Stockheim kam dafür ein ganzes Gebirge zu Hilfe. Bei der Kollision von Ur-Afrika mit Ur-Europa schob sich quer durch Europa eine ganze Gebirgskette in die Höhe, das variszische Gebirge. Im Inneren dieses Gebirges befand sich vor etwa 300 Millionen Jahren die Gegend um Stockheim.

Roland Eichhorn weiter: „Der zunehmende Druck presste das Wasser aus dem Torf und es entstand zunächst Braunkohle. Schicht um Schicht wurde der Stapel über dem Torf höher und damit schwerer. Immer mehr Wasser wurde aus der Braunkohle gepresst, gleichzeitig nahm auch die Temperatur immer mehr zu. Schließlich entstand aus der Braunkohle die energetisch wertvollere Steinkohle.“ 

Bürgermeister Rainer Detsch zeigte sich hoch erfreut über die hohe Auszeichnung durch das Bayerische Landesamt für Umwelt. Dies sei ein weiterer Motivationsschub für die Fortführung der bergmännischen Traditionspflege, die sich auf einem hohen Niveau befinde. Vor allem für die Jugend habe die Wertevermittlung zugenommen, denn der Steinkohlenbergbau im Haßlachtal sei ein Stück Heimat. Ja, er habe bayernweit ein Alleinstellungsmerkmal. Daraus ergebe sich eine identitätsstiftende Geschichte.

Zum Kreis der Teilnehmer zählten neben dem Knappenverein, dem Förderverein Bergbaugeschichte auch die Buben und Mädchen der Klasse 2a der Grundschule Stockheim, die mit dem „Glückauf-Lied“ unter der Leitung von Ruth Birkner die Veranstaltung eröffneten. Zur Auszeichnung gratulierten Kreiskulturreferentin Gisela Lang, Kreisheimatpfleger Dieter Lau sowie Werner Badum vom Geopark Schieferland.

 

Stockheims Steinkohle ist Bayerns Gestein des Jahres 2018. Die Prämierung nahm Dr. Roland Eichhorn (Zweiter, von links) vom Landesamt für Umwelt vor. Von links: Bürgermeister Rainer Detsch, Dietrich Förster (Naturpark Frankenwald), Gerwin Eidloth und Güther Scheler, beide Förderverein. Im Hintergrund eine Abordnung des Knappenvereins.

Die einzige Stelle in Bayern, an der Steinkohle in natürlicher Form zu sehen ist: das Geotop in Stockheim mit Überdachung im Bereich der ehemaligen Katharinenzeche.

 

(Bergleute vor Ort)

Stockheimer Bergleute im Jahre 1960 in etwa 300 Meter Tiefe vor Steinkohle. Mit der Pfannschippe wurde mühsam das Brennmaterial in sogenannte „Hunte“ geladen.

Text und Fotos und Repro: Gerd Fleischmann

 

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