Bergbaumagazin in Klassenzimmer verwandelt

06.06.2018

Außergewöhnliches quirliges Treiben im Stockheimer Bergbaumagazin. Der Grund: die 25jährige Stockheimerin Johanna Kestel, die seit 2014 Grundschullehramt an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg studiert, stellte erstmals ein kindgerechtes und schulbezogenes bergbauliches Konzept für die Grundschule im Rahmen eines Aktionstages vor. Der Präsentation und Realisierung mit der Klasse 4a der Grundschule Stockheim waren monatelange intensive Recherchen vorausgegangen. Das Motto lautete, mit „Konni Kohle“ den Stockheimer Bergbau hautnah erleben. Und in der Tat: die 24 Buben und Mädchen nahmen im Beisein von Rektorin Astrid Kestel sowie der weiteren Lehrkräfte Brigitte Roppelt und Eva Duschek die Reise in Stockheims bergmännische Vergangenheit mit Begeisterung an. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das Bergbaumagazin zu einem äußerst lebendigen Klassenzimmer. Unterstützung fand Studentin Johanna Kestel durch Gerwin Eidloth, Günther Scheler und Günther Skultety vom Stockheimer Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim-Neuhaus. In fünf Arbeitsgruppen standen die Themen „Die Steinkohle“, „Aus der Welt des Bergmanns“, „Das Steinkohlenbergwerk Stockheim“, „Werkzeuge, Geräte und Techniken im Bergbau“ sowie „Sagen, Geschichten, Unglücke und Gefahren“ auf dem Programm. Schließlich galt es, die Schatzkiste vom Eilazwerg zu öffnen. Die fünf hervorragend aufbereiteten, bergbaulichen jeweils 30 Seiten starken Schülerhefte, in Kooperation mit dem Förderverein Bergbaugeschichte, der Gemeinde Stockheim und der Grundschule Stockheim hergestellt, fanden aufgrund der kindgerechten, liebevollen  Darstellung den erhofften Zuspruch der Buben und Mädchen. Aussagestarke Fotos aus der bergbaulichen Entwicklung, gezielte Fragestellungen und Rätsel sorgten für lebendiges Interesse. Schließlich sei das Haßlachtal – insbesondere Stockheim – an die 400 Jahre durch den Steinkohlenbergbau ganz entscheidend geprägt worden, so das Argument der Autorin. Immerhin seien noch von 1935 bis zur Schließung im Jahre 1968 an die 1500 Menschen aus 35 Gemeinden des Landkreises Kronach in der St. Katharinazeche beschäftigt gewesen.

Johanna Kestel erläuterte kindgerecht Gezähe und Geleucht der Bergleute, die technischen Errungenschaften, wie zum Beispiel den Presslufthammer, den Einsatz der Kohlenwäsche, die Entstehung der Steinkohle, die Welt der Bergleute unter Tage mit all ihren Gefahren sowie die historisch gewachsenen Traditionen der Bergleute.

Johanna Kestel: „Ich halte es für überaus wichtig, über seine eigene Herkunft, seine Wurzeln und seinen Heimatort Bescheid zu wissen und wollte in diesem Zusammenhang nicht nur selbst mehr über den durchaus interessanten Sachverhalt erfahren, sondern dieses gewonnene Wissen auch an andere adressatengerecht weitergeben. Ich habe es mir in meiner Zulassungsarbeit zum Ziel gemacht, vor allem bei Kindern und Jugendlichen Interesse und Freude am Stockheimer Bergbau sowie dessen nachhaltige Bedeutung für den Ort und und selbst zu wecken.“

Bürgermeister Rainer Detsch bezeichnete das pädagogisch ausgereifte Museumskonzept von Johanna Kestel als einen Glücksfall für die Weiterentwicklung der Bergbaugeschichte. „Die Zusammenstellung der fünf verschiedenen Schülerhefte ist mit viel Fachwissen und Herzblut entstanden. Mit dem kindgerechten und schulbezogenen Konzept sei für die Fortführung der Stockheimer Bergbaugeschichte ein weiterer wichtiger Baustein gesetzt worden, ist sich Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann sicher. Dafür gebühre Johanna Kestel für ihren lobenswerten Einsatz Dank und Anerkennung.

 Text: Gerd Fleischmann

      

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